Nullzeit

Nullzeit, Ausschnitte aus den Videos Piz Daint-Piz Dora 2, 30 Min., Piz Daint-Piz Dora 1, 10 Min.,  Platatschas, 5 Min.

Gastatelier da giast, Val Müstair, Dezember 2018

 

Die linear ablaufende, objektivierbare Zeit und die auf dem inneren Zeitsinn des Individuums basierende subjektive Zeit sind zwei Antipode, die als Verlauf und als Intensität erlebt werden können.

Der Intensitätsaspekt der Zeit kann mit einem Verlauf von Zeit zu tun haben, der so angelegt ist, dass er fast wie ein Stillstand aussieht. Über dieses Bremsen der äußeren Bewegung und das Ankurbeln der inneren geistigen Bewegung wird eine Qualität der Zeit hervorgerufen, die den Raum überschreitet. Nicht fixierbare, aber existenziell erfahrbare Zeit, die an nichts gebunden zu sein scheint.

Zeit hat nicht nur etwas mit gleichmäßigem Vergehen und Veränderung zu tun, sondern kommt auch in Form des scheinbaren Stillstehens zum Tragen. Ruhe ist nämlich eine Grenzform der Bewegung und kann durch eine besondere Intensität gekennzeichnet sein.

Denn um Zeit verstreichen zu sehen, zahlen wir der Zeit mit unserer Zeit Tribut.

Die völlige Unattraktivität dieses monotonen Prozesses strapaziert unseren Betrachtungswillen und lässt allein das Zeitbewusstsein aktiv werden. Man fühlt den Verlauf der Zeit, ihr langsames Vergehen, am eigenen Körper.

Aus Zeit, Raum und Bewegung als Kriterien der Kunstbetrachtung von Anette Naumann, 1998

 

Nullzeit, Text und Video, 10 Min.-Schnörkel, Februar 2019, Kunstmuseum St. Gallen